2000 Jahre Römer in Germanien
   

 

 

2000 Jahre nach Varus und Arminius: Römerschiff in Hamburg getauft

Hamburg, 30.5.2008, Phil Hill -
„Bis zur Elbmündung habe ich Germanien befriedet“ behauptete einst der römische Kaiser Augustus. Nun stieß seine Flotte sogar weiter, bis in die Alster und erhielt trotz einer unglücklichen Begegnung mit den Germanen den Namen „Victoria“.

Am 30.5. wurde auf Hamburgs großem Stadtsee der 16 Meter lange originalgetreue Nachbau eines kleinen römischen Kampfschiffes getauft. Gebaut wurde es von Hamburger Fachleute und Studenten im Rahmen der Feierlichkeiten zu „2000 Jahre Varusschlacht“ – der germanische Befreiungsschlag gegen Rom feiert im September 2009 seinen runden Geburtstag. Wie der darauf folgende 7-jährigen, Wiedereroberungskrieg verlief untersucht Prof. Christoph Schäfer von der Universität Hamburg und gewinnt aus dem Bauprojekt neue Erkenntnisse, etwa über die Schnelligkeit und die erstaunliche Wendigkeit des Boots. Die Reihen vorangepeitschter Galeerensklaven seien allerdings Hollywood-Mythologie: „Dies war ein Kampfschiff. Die Besatzung bestand aus Soldaten, die gerudert und gekämpft haben.“ Doch den Germanen von heute waren sie nicht gewachsen: Die Wasserpolizei stellte das Fehlen einer Schiffsnummer fest und verhängte Wergeld: 10 Euro mussten Roms Seeleute abdrücken.

Quintilius Varus, der 9 n.Chr. vor dem Kalkrieser Berg bei Osnabrück 3 Legionen verlor, brauchte so ein Gefährt jedenfalls nicht – dort fließt das Wasser höchstens zentimetertief. Doch im Winter 15/16 n.Chr. ließ sein Nachfolger, der römische Feldherr Germanicus, in 6 Monaten 1000 Schiffe aus dem Boden der gallischen Wälder stampfen – größtenteils riesige Lastkähne, die seine Armee dann über Ems und Weser ins germanische Hinterland beförderten und sie da versorgen sollten. Schiffe wie die kleine „Victoria“, mit Platz für nur 20 Mann Besatzung, werden dabei eher zum Schutz der Flotte gedient haben.

Bei der Schiffstaufe waren auch germanische Gaufürsten zugegen, die den von den Römern immer wieder mit Genugtuung festgestellten Stammeszwist weiterführten. Begangen wird die Jährung nämlich von drei Museen, die die kurze römische Herrschaft in Westfalen und Niedersachsen zum Thema machen: Vom Varusschlachtmuseum am Kalkrieser Berg und von 2 westfälischen Häusern, die allerdings die Örtlichkeit vehement bestreiten. Denn der „Hermann“, wie der germanischen Kriegsherr Arminius noch gelegentlich falsch heißt, ragt ja 350 Meter hoch über Detmold, daher kann – nein, darf! – die Schlacht nicht in Niedersachsen gewesen sein.

Für Bilder: Gisela Söger, Varusschlachtmuseum
Tel. 05468/ 92 04 17
E-Mail gisela.soeger@kalkriese-varusschlacht.de